Neue Arbeitswelten
Der Mensch im Arbeitssystem
Alles anders. Alles schneller. Alles künstlicher. Alles ohne Menschen? Fast könnte heute der Eindruck entstehen. Künstliche Intelligenz, Virtualität, Beschleunigung, Mobilität, lebenslanges Lernen sind nur einige der Schlagworte, die bereits einen Teil unserer Arbeitswelt charakterisieren. Ist das vielleicht zu viel für den einzelnen Menschen? Ist er zu langsam, zu wenig flexibel? In den tausenden von Jahren, in denen der Mensch auf dieser Erde weilt, hatte er immer genügend Zeit, sich an neue Lebensbedingungen anzupassen.
Wird der Mensch an den Rand gedrückt? Verliert er den Boden unter den Füßen? Bisher hat er sich behaupten können, auch im Arbeitsleben. Weil er Dinge vermag, die keine Maschine kann. Weil er Fähigkeiten besitzt, die in keinen binären Code übersetzt werden können. Weil er als natürlicher "Allrounder" jedem künstlichen "Spezialisten" überlegen ist und bleibt...
Auch in den neuen Arbeitswelten steht der Mensch im Mittelpunkt. An seinen kulturellen Fähigkeiten wie z. B. Wissen und Kreativität, den "human ressources", müssen sich die neuen Arbeitswelten ausrichten. Für die Gestaltung der Zukunft - das hat die Vergangenheit gelehrt - ist der Mensch das beste Modell. Ziel des Arbeitsschutzes: Eine tragfähige Symbiose von Mensch, Natur und Technik.
Vorbilder liefern Gegenwart und Vergangenheit: Arbeit, die den ganzen Menschen, alle seine Sinne, seinen Verstand, seine Erfahrung und sein Gefühl fordert und fördert.
Heute ist nichts so beständig wie der Wandel. Neue Berufe entstehen, andere gehen verloren oder verändern sich. Mit nur einer abgeschlossenen Berufsausbildung wird man den Anforderungen der neuen Arbeitswelten nicht gerecht werden können, lebenslanges Lernen wird die Regel sein. Aber bei allem Wandel gilt: Der Mensch bleibt Mensch. Und der sehnt sich auch nach Geborgenheit und Tradition. Wissen, Erfahrung und Geschicklichkeit als traditionelle Qualifikationen einerseits, der Umgang mit Virtualität, Mobilität, Flexibilität als neue Qualifikationen andererseits - beides wird künftig seinen Platz haben. Die Traditionelle und die neue Arbeitswelt werden parallel existieren, im günstigsten Fall werden beide miteinander verschmelzen.
Wird der Chirurg mit Cyberbrille seinen Patienten noch spüren und berühren? Hinter ihm tut sich in der DASA ein Friseursalon auf. Wie vor tausenden von Jahren werden sich auch zukünftig Menschen gegenseitig mit ihren Händen pflegen und berühren.
Die Beschleunigung in allen Lebensbereichen, insbesondere in der Hightech-Arbeitswelt, bedeutet für die Ingenieurin das Leitbild bei "virtuellem Konstruieren". Hinter ihr tut sich der Arbeitsplatz des Schlossers auf. Er ist hier Symbol für das menschliche Bedürfnis nach Beständigkeit und Kontinuität der Arbeitswelt.
Der Architekt verkörpert das Leitbild der Machbarkeit. Mit Köpfchen und Computer plant er Bauwerke über und unter Tage. Realisiert werden sie allerdings auch weiterhin durch harte körperliche Arbeit, wie z. B. auf der Tunnelbaustelle.
Für die Wissenschaftlerin gilt hohe Flexibilität: Sie muss überall dort zu Hause sein, wo ihr Spezialwissen gefordert ist. Hinter ihr sieht man einen Heimarbeitsplatz. Ortsfestes Arbeiten, das durch die Einführung der Teleheimarbeit auch weiterhin eine Zukunft hat, kommt auch dem Bedürfnis nach festen persönlichen Kontakten, dem Gefühl von "Heimat" nahe.
