Kolloquium 2000
Szenografie in Ausstellungen und Museen
(23.11. - 24.11.2000)
Die Methoden und Konzepte der Gestaltung von Ausstellungen und Museen gehen neue Wege. Angesichts der Zunahme visueller Reizüberflutung und Eventkultur müssen Überlegungen angestellt werden, die auch vor der Organisation von Gestaltungsprozessen nicht Halt machen.
Bei einem Blick zurück zeigen sich - vereinfacht dargestellt - mehrere Innovationsschübe im Ausstellungswesen: Nach einer weitgreifenden Didaktisierung von Ausstellungen folgte die Integration moderner AV-Medien bis hin zu spektakulären multimedialen Events. Daneben entwickelten sich die interaktiven Dimensionen des Museums, welche vor allem in den Science Centers und den Mitmachausstellungen realisiert wurden. Mit dieser Entwicklung ging auch die Gewichtung vom Begriff der Didaktisierung zu dem der Popularisierung von Wissenschaft einher. Edutainment ist hierbei zum neuen Schlagwort für die Gestaltung der Vermittlungsinstrumente geworden.
Bei den Versuchen, die unterschiedlichen Ansätze und Instrumente zu einheitlicher Gestaltung umzusetzen, ist die Innenraumgestaltung nicht selten ein Produkt des zufälligen Zusammenkommens von raumbildenden Elementen geblieben, die jeweils ihr eigenes Design erkennen lassen. Gewolltes oder ungewolltes Zusammenwirken der Elemente beim Innenausbau haben oft zu unstrukturierter Unruhe geführt. Demgegenüber sind aber Raumcharaktere und Raumfolgen ganz wesentlich am Grad der Vermittlung beteiligt. Hierbei kommt der Szenographie als Methode eine besondere Bedeutung zu, d. h. Innenräume von Ausstellungen und Museen müssen künstlerisch gestaltet werden.
Die aktuellen Diskussionen und Versuche unter dem Schlagwort "science meets arts" zeigen ebenfalls den Bedarf, von dem Medium der Kunst für die Zwecke der Vermittlungsmethoden lernen zu wollen.
Gute szenographische Konzepte leiten sich daher nicht aus dem Ausstellungsdesign ab, sondern von der Kunst der ästhetischen Raumbildung. Nicht Raumwirkungen mit entsprechender "Reiztopographie" zu Zwecken der Konditionierung, nicht Schelllebigkeit modischer Eventkultur, sondern szenographische Entwürfe, die sich aus der Bedeutung und aus dem Verhalten in öffentlich zugänglichen Ausstellungsräumen herleiten, müssen zum Einsatz kommen.
Auch die Organisation der damit verbundenen Gestaltungsprozesse wird in Zukunft von besonderer Bedeutung sein, wenn des darum geht, die unterschiedlichen Werkarten (z. B. der Architektur, des Bühnenbildes, der Bildhauerei, der Medienkunst, der Musik und Literatur etc.) mit dem Mittel der Regieführung für die Zwecke der Ausstellungsgestaltung zusammen zu führen. Die Mittel der künstlerischen Auftragsarbeit haben hier ihre Grenzen.
Das Kolloquium hat zum Ziel, einmal die Erfahrungen bei heutigen Methoden der Szenographie auszutauschen, sowie Synergieeffekte für die Beschreitung neuer Wege in der Ausstellungsgestaltung herbei zu führen. Dazu dienen Diskussionen sowie eine kleine Reihe von Vorträgen.
Der inszenierte Ort innerhalb der neugestalteten Deutschen Arbeitsschutzausstellung stellt selbst einen anschaulichen Beitrag zur Methode der szenographischen Vermittlung des Menschenbildes in der Arbeitswelt dar.
Dr. Gerhard Kilger
"Das szenographische Konzept der DASA"
DASA, Dortmund
Wolfgang Müller-Kuhlmann
"Szenografie in Ausstellungen und Museen"
DASA, Dortmund
Bodo-Michael Baumunk
"Abschied vom Event"
Ausstellungsmacher, Berlin
Prof. Heide Hagebölling
"Interaktive Dramaturgie - Beispiele künstlerisch-/gestalterischer Ausbildung"
Kunsthochschule für Medien, Köln
Via Lewandowsky
"17 Räume und ein Korridor - ein Ausstellungskonzept"
Bildender Künstler, Berlin
Prof. Dr. Martine Scrive
"Die Funktion und die Methode der Szenographen bei der Konzeption thematischer Ausstellung"
Universität Paris XI
Otto Julius Steiner
"Von der Pionierphase zur transparenten Strategie"
Sarnen AG für Kommunikation, Sarnen
