Kolloquium 2004
Szenografie in Ausstellungen und Museen - Wissensräume
(28.01.2004 - 30.01.2004)
Die Tradition der Erarbeitung, Generierung und der Speicherung von Wissen ist lang. Immer zeigt sie sich - vermutlich auch schon vor der Verwendung von Zeichen und Schrift - in einer Kontingenz mit einer lokalen Situiertheit, mit Versammlungsstätten oder Räumen für andere, besondere Funktionen. Als Zusammenhang von Wissen, Macht und Raum ist diese Tatsache ein Gegenstand unterschiedlichster Untersuchungsbereiche.
Die Historizität dieser kulturellen Symbolräume des Wissens und seiner Bedeutungssysteme begegnet uns bis heute in dem Entstehen von Räumen von eigenartiger Ausstrahlung, in denen sowohl die Wissenserarbeitung wie auch die Rezeption desselben stattfinden. Ob dies moderne Observatorien oder andere Forschungseinrichtungen sind, ob Bibliotheken, Kirchen, Börsen oder anderes: sie alle haben Formen einer sinnlichen Qualität entwickelt und präsentieren sich in wiedererkennbaren Erscheinungsformen, die weit über den engeren Sinn ihrer jeweiligen Funktionen hinausreichen. Diese gehen auch weit über die bloße Bereitstellung sachlicher Information über ein verfügbares abstraktes Wissen hinaus. Der Wissensumfang und der Erkenntnisgrad einer Gesellschaft besteht offensichtlich nicht nur in den zur Verfügung stehenden Datenmengen, sondern in den Formen des Umganges mit ihnen und in der Vermittlung des Wissens in besonderen Räumen, die zugleich eine Ästhetisierung der Epistemologie und der Lebenswelt beinhalten. Mit Blick auf die Historie dieser Formen lassen sich unterschiedliche Wissenscharaktere erkennen und deren Selbstdarstellungsweisen.
In den Diskussionen um die Wissensvermittlung spielen nun aber die Museen und Ausstellungen eine besondere Rolle. Sie haben ihre historischen Wurzeln in den alten Wunderkammern und später in den Kunstkabinetten u. a. des 18. und des 19. Jahrhunderts. Mit ihrem Bildungsanspruch sind sie nun par excellence die Wissensräume der gegenwärtigen Gesellschaften. Auch sie haben fast klassisch zu nennende Ausdrucksformen entwickelt und ihre besonderen Methoden der Präsentation und der Raumbildung. Die Bemühungen der modernen Science-Centren beschreiten darüber hinaus sogar den Weg, nicht nur durch gegebene Sammlungen, sondern durch mechanisierte und elektronisierte, didaktische Vermittlungsinstrumente Inhalte auf sinnliche und rationale Weise erfahrbar zu machen.
Alle diese alten und neuen Wunderkammern werden als Räume des Wissens rezipiert: Ihr räumlicher, nachhaltigen Eindruck schaffender Kontext wird bei den Menschen - meist lebenslang - mit den Inhalten des erfahrenen Wissens verquickt. Ein Vergleich zu den kurzlebigen Erinnerungen bei Volltextrecherche am Bildschirm, die von einem Verschwinden des Raums und einer haptischen Ortlosigkeit begleitet ist, macht dies besonders deutlich.
Was geschieht bei der Konstitution von Wissensräumen in Museen und in Ausstellungen? In welchem Verhältnis steht die Zufälligkeit einer Raum gewordenen Absicht zu den Kategorien des menschengerechten Raums? Wie hoch ist der Einfluss von sinnlichen Eindrücken auf die Aufnahme und die Einschätzung von Wissen zu bewerten, welche Emotionen spielen sich dabei ab? Gibt es eine Ästhetik des Wissens? Welche Bedeutung hat das Ausstellen von ungegenständlichem Wissen? Und was ändert sich bei der Transformation von Wissenschaftssprache in den sinnlichen Kontext eines Ausstellungsraums?
Wolfgang Müller-Kuhlmann
"Wissensräume"
DASA, Dortmund
Dr. Serena Bertolucci
"Villa Sommariva: an esthetical representation of history in the early XIX. Century"
Deutsch-Italienisches Zentrum Villa Vigoni, Menaggio/Como
Gène Bertrand
"Blick in das Industrion - view inside Industrion"
Industrion Kerkrade, Marketing und Kommunikation
Dominique Botbol
"The influence of scenography on content appropriation by visitors"
La Cité des Sciences et de l’Industrie, Paris
Rob Bruijnzeels
"Bibliotheken 2040 - eine Vision zur Zukunft der Bibliotheken"
Vereniging NBLC, Den Haag
Prof. Uwe R. Brückner
"Die Kunst von der Dressur des Augenblicks"
Atelier Brückner für Szenografie und Architektur, Stuttgart
Hochschule für Kunst und Gestaltung, Basel
Kilian T. Elsasser
"Verkehrshaus der Schweiz - Fabrik von Wissens(t)räumen"
Verkehrshaus der Schweiz, Luzern
Anne Emerson
"Creating a history center for Boston: the context and challenge of building museums in the USA"
The Boston Museum Project, Boston
Prof. Dr. Dr. h.c. Wolf Peter Fehlhammer
"Inszenierung einer Wissensstadt - das Deutsche Museum"
Deutsches Museum, München
Dr. Michael Fehr
"Der Wissensraum als Wahrnehmungsraum"
Karl Ernst Osthaus-Museum der Stadt Hagen
Dr. Wolfgang Guthardt
"phaeno - die Experimentierlandschaft. Das Science Center-Projekt in Wolfsburg"
Kulturdezernat der Stadt Wolfsburg und "Projekt Science Center Wolfsburg"
Dr. Uwe Jochum
"Wissensraum Bibliothek"
Bibliothek der Universität Konstanz
Anne Louise Kemdal
"New concept of the Tekniska Museet Stockholm"
Tekniska Museet/National Museum of Science and Technology, Stockholm
Matthias Lauk
"Inszenierung der Wissenschaft als Transferleistung für Meinungsbildner, Politik und Verwaltung"
Lauk & Cie., Köln
Nanna Norup
"The art of creating an exhibit"
United Exhibits Group, Kopenhagen
Peter Redlin
"Ein Wissensraum für alle Generationen: Biovision, der Deutsche Pavillon auf der IGA 2003"
Milla & Partner, Stuttgart
Dr. Jürgen Reiche
"Nur die Geschichte zählt - Idee und Wirklichkeit"
Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Bonn
Dr. Michael F. Ryan
"The Cheaster Beatty Library: displaying the sacred and profane"
The Cheaster Beatty Library, Dublin
Prof. Dr. Peter-Klaus Schuster
"Masterplan für die Museumsinsel Berlin"
Stiftung Preussischer Kulturbesitz - Staatliche Museen zu Berlin
Rosalia Vargas
"Creating space for Science Centers"
Pavilion of Knowledge - Ciencia Viva, Lissabon
Dr. Cornelia Weber
"Das Universitätsmuseum als Wissenstheater"
Humboldt-Universität zu Berlin
