DASA Schließung : ... bis zu einer Wiedereröffnung in 2021

Bühnenbild
Mädchen trinken Kaffee, Fotocollage zur Ausstellung Pia sagt Lebwohl

Forschungsprojekt "Pia sagt Lebwohl"

„Potenziale und Grenzen des Storytelling als Vermittlungsmethode in Ausstellungen“

Ein mutiges Thema, eine mehr als ungewöhnliche Umsetzung: Mit „Pia sagt Lebwohl. Eine Ausstellung zur Arbeit mit Tod und Trauer“ setzte die DASA von Oktober 2019-August 2020 einen Meilenstein in der Ausstellungswelt. Die Ausstellung ist zu Ende, doch ein außergewöhnliches Forschungsprojekt bleibt.

Darum geht's

Die DASA-Ausstellung erzählte in einer Abfolge von Erlebnisräumen die bewegende Geschichte der 17-jährigen Pia, die mit dem Tod ihrer geliebten Oma Ruth fertig werden musste. Im Verlauf der Story trafen die DASA-Gäste mit Pia auf Profis, die das Mädchen auf seiner Reise durch die Gefühlswelten begleiteten. Eine Reise aus dem Leben, die überraschte und verwandelte.

Da steckte jede Menge Emotion drin. Denn das Thema „Tod und Trauer“ ist zutiefst existenziell und betrifft jeden von uns. Wie funktionierte es aber im Ausstellungskontext? Die DASA führt derzeit ein aufwändiges Forschungsprojekt im Zeitraum 2017 bis 2022 durch und hat mit unter-schiedlichen Methoden Stimmen der Besucher*innen zur Wirkung eingeholt. Jetzt geht es ans Auswerten.

Forschungsprojekt

1.    Grundlagenforschung

Hier geht es um Begriffsbestimmungen wie Narration und Storytelling im Kontext von Ausstellungen und deren besonderem Zusammenspiel von Raum, Objekt, Text und Be-sucher*in.
Dabei bezieht das Projekt verschiedene deutsche und europäische Projekte mit ein. Die Erkenntnisse werden in einem Promotionsvorhaben im Fach Museumswissenschaft an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg gesammelt und publiziert.

2.    Summative Ausstellungsevaluation

Hier geht es am Beispiel der Ausstellung „Pia sagt Lebwohl“ um die empirische Überprü-fung eines Storytelling-Ansatzes. Im Mittelpunkt stehen folgende Fragen:

•    Erreicht die Ausstellung die Ziele, die sie mit dem Storytelling-Ansatz verfolgt?
•    Wie wirkt die Ausstellung auf die Besucher*innen?
•    In welchem Zusammenhang stehen die Wirkung und der Storytelling-Ansatz?

Ziel ist es, Neues über die Zusammenhänge zwischen einer erzählerischen Ausstellung und den Lernerfahrungen der Besucher*innen zu gewinnen.

3.    Methodenvielfalt

Fünf Methoden kamen während der Datenerhebung zum Einsatz:

-    A) Strukturierte nicht-teilnehmende Beobachtung in der Ausstellung
Sie erfasst das Raum-, Nutzungs- und Wahrnehmungsverhalten der Besucher*innen und gibt so Aufschluss über attraktive und weniger attraktive Bereiche. Darüber hinaus kön-nen wir erkennen, wo soziale Interaktionen stattfinden und deckt „Störungen“ in der Ausstellungsfunktionalität auf. Die Datenerfassung erfolgte über ein Beobachtungsproto-koll.

-    B) Standardisierter schriftlicher Fragebogen nach dem Ausstellungsbesuch
Die Besucher*innen wurden unmittelbar nach dem Besuch nach ihren subjektiven Ein-schätzungen zu verschiedenen Themen und zu den persönlichen Lernerfahrungen be-fragt. Der Fragebogen beinhaltete Fragen zur Gesamtbeurteilung der Ausstellung, zu so-ziodemografischen Daten der Besucher*innen, sowie ihrem Vorwissen und dem Be-suchsanlass (Rezipient*innenmerkmale).

-    C) Ausstellungsanalyse durch Expert*innen (Judging Exhibitions)
Judging Exhibitions ist eine Methode zur Bewertung von Ausstellungen anhand eines vor-gegebenen Frameworks. Dafür besuchte eine Gruppe von externen Ausstellungsex-pert*innen die Ausstellung und bewertete die Kriterien Wohlbefinden, Anregen, Bestär-ken und Sinnstiften.

-    D) Teilnehmende Beobachtungen in der Ausstellung
Die Beobachtung ist angelehnt an das Projekt „Museum Learning Collaborative“. Begleitet wurden informelle Kleingruppen (2-5 Personen). Während des Ausstellungsbesuchs ha-ben wir sie beobachtet und die Gespräche aufgezeichnet. Hierbei wird deutlich, was ihr Interesse weckt, welche Konversationen diese Elemente in Gang bringen und wie sie die-se mit ihrer eigenen Lebenswelt in Beziehung setzen. Zusätzlich können wir so etwas über Motivation, Vorwissen und Gruppenzusammensetzung der Besucher*innen abfra-gen.

-    E) Leitfadengestützte Interviews + mentale Karten nach dem Ausstellungsbesuch
Fokussierte Einzelinterviews sollten Aufschluss darüber geben, wie die Besucher*innen ihren Ausstellungsbesuch wahrgenommen haben, nach welchen individuellen Kriterien diese Auseinandersetzung stattgefunden hat, welche Lernerfahrungen sie gemacht ha-ben und welches Verständnis sie für das Format „Storytelling“ entwickelt haben.

Wir verbanden die Interviews mit dem Zeichnenlassen einer mentalen Karte. Mental Maps sind spontane visuelle Darstellungen von (Orts-)Relationen und bilden die subjekti-ve Wahrnehmung, Erinnerung oder Vorstellung von Räumen ab. So kann die Wirkung des Ausstellungsraums besonders gut überprüft werden.

Forschungskolloquium 2021

Im Rahmen des Forschungsprojekts ist ein Kolloquium angesetzt, auf diesem die Ergebnisse des Projekts präsentiert sowie mit anderen Projekten in Verbindung gebracht werden sollen. Das Kolloquium ist für den 30.09.-01.10.2021 terminiert. Weitere Infos folgen.

Ansprechpartnerin

/ Telefon: 0231 9071 2632

Das Forschungsprojekt kompakt

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